• Küchensofagedanken am Morgen (Teil 13) - Sinnlichkeit.

    TheobrominenfuesseAlso ehrlich, hier habe ich lange nicht gele- gen... Tja, trauriger Mangel an Gelegenheit.

    Aber ich bin gerade mal ein bisschen krank geschrieben und wo könnte man überraschend geschenkte Zeit besser verstreichen lassen als auf einem gemütlichen Sofa. Mit einer schönen Tasse Tee, warm in meiner Hand, die heute mal ganz ohne Eile getrunken werden kann.

    Damit bin ich schon direkt beim heutigen Thema, das seit Wochen klammheimlich immer ein Stückchen näher an mich rückt, wie ein schüchterner Verehrer neben einem auf der Parkbank. Heute hat er dann endlich seinen Arm um mich gelegt und ich genieße das.

    Die Sinnlichkeit hat mich wieder.

    Nein, hier geht's nicht um Sex... Jedenfalls nicht vordergründig. Wer was über Sex lesen möchte, muss auf der Plattform nicht lange suchen, bis er unter eine gelüpfte Bettdecke schauen darf. Der Brominen Decke bleibt gefälligst ungelüpft.

    Es geht ja bloß um Schmecken, Riechen, Hören, Sehen, Fühlen.

    Ungefähr seit einem Vierteljahr schleicht er sich wieder an, einer meiner liebsten Lebens- begleiter, der Geschmackssinn, der Hochgenuss beim Essen. (Nicht ganz umsonst zeige ich der Welt schließlich meine Zunge.) Natürlich habe ich auch vorher alles schmecken können, aber ich hab' immer wieder Phasen, in denen ich verstärkt zur Geschmacksjäge- rin werde. Dann will ich Neues, Ungewöhnliches, noch unbekannte Kombinationen, mir Gutes tun, mich verwöhnen und mal überraschen. Und dann darf es gerne, muss aber gar nicht unbedingt Schokolade sein. Ein feiner Wein, ein gutes Brot, ein neues Gewürz tun's auch. Sich etwas genussvoll auf der Zunge zergehen zu lassen, von dem man weiß, dass in dieses Produkt vielleicht viel Sonne, Liebe und Könnerschaft eingegangen ist, ist doch wohl eine friedlichsten Handlungen überhaupt! So, eine kleine, zarte Praline zum Beispiel, an deren entzückender Form, Textur und komponierten Aromen sich ein Confiseur lange gemüht hat, happst man nicht einfach so weg wie Stulle.

    Komm' mir jetzt bitte keiner mit getrüffelter Stopfgänseleber! Davon ist hier ja gar nicht die Rede. Ebensowenig wie von Austern oder Kaviar. Sowas hat Liebhaber, zugegeben. Vor allem doch aber, weil es teuer ist. Wer isst sowas schon zuhause, wenn keiner guckt? Eben. Natürlich mag ich auch mal einen schönen Champagner trinken, aber ein gut ge- machter Crémant für 8 Euro ist auch was Feines und ich behaupte auch gar nicht erst, dass ich den Unterschied überhaupt schmecken würde.

    Aber den Unterschied zwischen einem Brot, dass in Folientüte für 59 ct. beim Discounter rumliegt und einem, das ein guter Bäcker ganz in Ruhe und aus wenigen Zutaten bäckt, den schmeckt man sofort! Und den sollte man sich ruhig ab und an gönnen, auch wenn für's Gönnen eigentlich nichts auf Tasche ist. Das hat auch was mit Selbstwertgefühl zu tun. (Ich weiß, wovon ich rede, denn auch hier gab's Hartz-IV-Zeiten.)

    Aber mal weg vom Essen, ich krieg' hier langsam Appetit und habe nix Anständiges mehr im Haus...

    Der Geschmackssinn ist mir also wichtig, aber er ist ja nun nicht der Einzige. Ich war wohl schon immer ziemlich sinnlich und das auf allen Ebenen. Das hab' ich vermutlich von der Mutter. Gerüche z.B. rufen schnell Gefühle oder Erinnerungen in mir auf, aber das geht ja eigentlich jedem so. Ob es ein leicht feuchter Kellergeruch ist, der mich an das stets gefüllte, dämmrige Vorratslager meiner Oma erinnert oder aktuell der herbe Geruch von Herbstlaub, das feucht auf den Wegen liegt. Der metallische Geruch, den die Stadtluft im Sommer nach einem Regenguss hat, der Gestank nach Schwefel in der Silvesternacht (den ich aber komischerweise mag) oder wenn mein Nachbar eine seiner scheußlichen Zigarillos raucht (was ich eher nicht so...). Und dann wieder: frisches Brot, Gurkensalat, Erdbeeren, Freilandrosen, Kaffee, das Fell einer Katze, die eben in der Sonne gelegen hat, und natürlich: frisch gemähtes Gras. Stars der Geruchshitparade.

    Und jetzt das Hören: Die Geräusche im Haus, Kinder streiten sich auf der Straße, ein Auto fährt langsam vorbei. Im Sommer zirpt's im Gras und wer Glück hat, hört Lerchen über den Feldern. Mein Lieblingsgeräusch? Das kennt ihr: Das Rauschen der Pappel vor meinem Haus. Das zweitliebste? Das lass' ich Euch mal raten... Mal abwarten, ob Einer drauf kommt. *g* - Wo war ich? Ach ja: Und Musik! Natürlich...

    Und Stille.

    In der Stille zu zweit sein und sie teilen. Unvergleichlich. Da ist viel Platz zum Sehen und Fühlen.

    Kleiner Schlenker:
    Gestern hab' ich einen kurzen Bericht über James Turell und sein "Wolfsburg-Projekt" (Video beachten!) ferngesehen, da ging's unter anderem um die Fühlbarkeit des Lichts. (Ich weiß von mir, dass ich auch mit verbundenen Augen sagen kann, ob das Licht an oder aus ist. Ist gar nicht so schwer, lohnt sich mal, zu probieren.) Turell hat übrigens schon vor Jahren einige Installationen im Hannöverschen Sprengel-Museum angelegt, die mich immer sehr angesprochen haben. Die Stadt Wolfsburg an sich hingegen fand ich bisher immer eher uninteressant, weil ich da eigentlich bloß an Autos denken muss, aber jetzt will ich dann doch mal hin!

    Ich weiß nicht, wieso, aber manchmal frage ich mich, ob ich ohne das Sehen auskommen könnte. Ich hoffe, das ist keine schlimme Vorahnung oder sowas. Jedenfalls denke ich dann: ich habe soviele Bilder in mir, die könnte ich dann doch aufrufen... Trotzdem, wen überrascht's, hätte ich das eher ungern, denn gerade in der Gegend rumgucken gefällt mir besonders gut.

    Das Fühlen und der Tastsinn; - ich glaube, von diesen Beiden kriegen wir oft gar nicht so viel mit, denn die Wahrnehmung nimmt uns viel weg, damit wir nicht plötzlich mal balla balla werden. Dass wir Klamotten tragen, merken wir z.B. über'n Tag kaum, wenn nicht gerade die Hose kneift. Eigentlich müssten die Nerven die ganze Zeit Funken: Kontakt hier, Kontakt da. Machen sie aber nicht, weil sie oft viel lernfähiger sind als ihre Besitzer. Trotzdem lege ich Wert darauf, mich lieber mit angenehmen Materialien zu ummanteln. Am liebsten habe ich ganz, ganz weiche, zarte Baumwolle. Samt ist auch schön. Seide ist mir zu kühl und Wolle darf auf gar keinen Fall kratzen, schon allein, weil mein zarter Schwanenhals so empfindlich ist, dass ich das Kitzeln meiner eigenen Haare daran schon manchmal zu viel finde. Polyester soll übrigens meinetwegen blieben, wo sie will. Und das sind jetzt nur Materialien, die in der Kleidung stecken können und Berührung ganz neben- bei und unbewusst auslösen.

    Da gibt's aber auch noch die ollen Küsse der ungeliebten Tante, die man jahrzehntelang lieber vergessen möchte. Oder einen frischen Luftzug im Wohnzimmer. Strahlende Ofen- wärme. Haareziepen beim Kämmen. Das Gefühl, barfuß in 'nem Bachbett herumzulaufen. In eine heiße Wanne zu sinken. Sonne auf der Haut zu haben, oder sogar geliebte fremde Haut. Ausgekitzelt werden. Eine glatte Kastanie in der Tasche umfassen.

    Wie gesagt, die Sinnlichkeit hat mich wieder, ist hochwillkommen und darf sich oft über volle Aufmerksamkeit und Zuwendung freuen. Und jetzt muss ich mal einkaufen: Gucken, Tasten, Schnuppern...

    Und Ihr? Tut Euch was Gutes...

  • Happy Phantom

    "And if I die today I'll be the Happy Phantom
    And I'll go chasin' the nuns out in the yard
    And I'll run naked through the streets without my mask on
    And I will never need umbrellas in the rain
    I'll wake up in strawberry fields every day
    And the atrocities of school I can forgive
    The Happy Phantom has no right to bitch

    Ooh-whoo the time is getting closer
    Ooh-whoo time to be a ghost
    Ooh-whoo every day we're getting closer
    The sun is getting dim
    Will we pay for who we been

    So if I die today I'll be the Happy Phantom
    And I'll go wearin' my naughties like a jewel
    They'll be my ticket to the universal opera
    There's Judy Garland taking Buddha by the hand
    And then these seven little men get up to dance
    they say Confucius does his crossword with a pen
    I'm still the angel to a girl who hates to sin

    Ooh-whoo the time is getting closer
    Ooh-whoo time to be a ghost
    Ooh-whoo every day we're getting closer
    The sun is getting dim
    Will I pay for who I been

    Or will I see you dear and wish I could come back
    You found a girl that you could truly love again
    Will you still call for me when she falls asleep
    Or do we soon forget the things we cannot see

    Ooh-whoo the time is getting closer
    Ooh-whoo time to be a ghost
    Ooh-whoo every day we're getting closer

    The sun is getting dim
    Will I pay for who I been

    And if I die today
    And if I die today
    And if I die today
    Chasin' the nuns out in the yard..."

    (Tori Amos rettet mir zum ungefähr 3.279 Mal das Leben...)

  • Saunier' mir!

    Freundin T. hat rigoros entschieden, ich bräuchte jetzt "was Warmes, Kuscheliges", und wo sie Recht hat, hat sie nun mal Recht. Es stellt sich dann aber raus, dass sie bloß mit mir in die Sauna will. Und weil ich am Wochenende direkt mal eben 1 1/2 Kilo abgenom- men habe, finde ich mich auch ausreichend schön dafür. Das finden eventuell auch die anderen Saunierer, denn wenn nicht neugierig geguckt wird, dann erklärt man uns sogar gerne, wo wir was am schönsten machen können, obwohl wir eigentlich gar nicht gefragt haben und nur so gucken.

    Wir saunen antizyklisch, Freundin T. und ich. Antizyklismus bringt's. Das ist nicht etwa ein neuer Wellness-Trend, sondern bedeutet lediglich, dass immer da, wo wir reingehen, die Anderen gerade rauswollen. Das Gute dabei ist natürlich, dass wir auch in der Sauna schwatzen können und uns ohne die Aufgüsse dabei sogar sehen können, weil keine lästigen Dampfschwaden zwischen uns wabern.

    Wenn wir fix und fertig sind, gehen wir ins Wasser.
    Und dann kommen wir wieder raus und legen uns in den Ruheraum.

    Saunageschredder Einer der beiden Ruheräume ist ein riesiges Holzgebäude im Garten, mit luftiger Decke und Kamin. Es heißt sogar "Silentium" und drinnen herrscht absolute Stille. Bis auf das Herumgekrame der Ruhenden natürlich.

    Außerdem ist ein Holzgranulat ausgestreut, das fast soviel Lärm macht wie frisch ge- harkter Kies. Und wenn man die Schlappen auszieht, muss man ganz tapfer sein und sich zusammenreißen, um nicht vor Fuß- schmerzen laut "Kartoffelsalat!!!" zu rufen.

    Der Planer muss ein Witzbold gewesen sein, der bestimmt immer noch zuhause sitzt und sich verschmitzt die kleinen Händchen reibt vor Schadenfreude.

    Kaum, dass wir liegen, kommt ein Fräulein vom Personal sehr leise durch die Tür, macht sehr leise die Kamintür auf, legt ausgesprochen leise ein paar Scheite hinein und versucht dann, leise ein Blatt Zeitungspapier zu zerknüllen. Wer Spaß dran hat, kann jetzt ja mal raten, ob es ihr gelungen ist...

    Als wir fertig "geruht" haben, und wieder in den Saunabereich wollen, hält uns ein netter Herr die Tür auf. Prompt kommen noch jede Menge andere Gäste und er kann die Tür nicht loslassen. Verdammte Höflichkeit. Ich sage noch: "Na, da haben sie jetzt aber den Abend lang zu tun, was?", da hält uns zufälligerweise sein Freund gleich noch die zweite Tür dahinter auf. Wir bedanken uns artig und bekommen daraufhin den Türaufhalter sofort als "Hermann" angeboten. Ich gucke kurz, brauchbar sieht er ja aus, der Hermann, aber dann fällt mir ein, dass ich ja noch drei Hermänner zuhause habe. Bei denen handelt sich zwar um Teig, aber Kuchen ist mir eventuell zurzeit ohnehin lieber. Der streitet sich nicht mit mir rum, und wenn, bring' ich ihn einfach um die Ecke und trinke noch Tee dazu.

    Wir lassen Hermann also links liegen und muckeln uns wieder ins Warmheiße, bevor ich mich unter Fiepen komplett in sehr, sehr kaltes Wasser tunke, und wir danach im zweiten Ruheraum landen. Dort überlege ich bald, mal heimlich eine Kamera aufzustellen, die den ganzen Tag nur das ewige Deckenauf- und Zugefalte filmen darf. Jeder, der kommt, findet eine gefaltete Decke vor und hinterlässt eine ebensolche. Ein Kommen und Gehen und Wedeln und Ausschütteln und Falten ist hier an der Tagesordnung, dass die Luft nur so zirkuliert! Später stellen wir sogar fest, dass es wohl sogar den Beruf des Deckenfalters geben muss, denn da läuft einer vom Personal herum, der tut nichts anderes, als Decken zu falten. Ich stelle mir dann vor, wie ich irgendwo einen netten Herrn kennenlerne, und dann frage ich ihn, was er denn so beruflich tut. Und dann sagt der: "Ich bin Plaidfolding Manager in einem großen Wellness-Unternehmen!"

    Weil T.'s Magen inzwischen so laut grumbelt, dass wir gegen die Ruheverordnung versto- ßen, kehren wir im Bistro ein. Ich bin entsetzt, dass sie dort gar nicht mehr dieses irre leckere Roastbeef mit Bratkartoffeln auf der Karte haben, auf das ich mich schon den ganzen Tag gefreut habe. Als ich mich dann endlich für die Entenkeule in Orangensauce entscheide, gibt's die auch nicht mehr. T. bemüht sich, während des Essens nicht einzu- schlafen und ich versuche, die Beinchen adrett übereinanderzuschlagen. Es geht leider nicht, weil der Tisch zu niedrig ist. Wahrscheinlich hat den ebenfalls das Männlein entworfen, das auch das Granulat auf den Gewissen hat.

    Als wir kurz darauf noch mal ruhen wollen, sind T.s Füße vom Essen so schwer gewor- den, dass sie ihre Liege fast nur mit tatkräftiger Hilfe nach hinten gekippt bekommt. Zum Glück ist Hermann grad' außer Sichtweite. Ein paar Reihen hinter uns hält sich jemand auf, den wir zwar auch nicht sehen können, aber: Ey du! Du, mit der rascheligen Plastik- tüte, in der du minutenlang herumgesucht hast, nur unterbrochen vom hektischen Auf- und Zuziehen des Reißverschlusses deiner Sporttasche, bis du dann unter lautem Schlapfen und Türenklappen den Raum verlassen hast: sag' uns ruhig nächstes Mal Bescheid, wenn du in die Sauna gehst! Ich bring' dann meine Bohrmaschine, den Staub- sauger und meine anstrengende Kollegin mit, dann wollen wir doch mal sehen! - Keine Ahnung, wie T. bei dem Lärm schlafen kann... Ich liege wach, gucke den hellen Nebel- schwaden draußen zu, die vom Solebecken aufsteigen und versuche, was Schönes zu denken.

    Als T. wieder wach wird, saunieren wir noch mal, tauchen uns in noch kälteres Wasser (mindestens - 10 °C, wahrscheinlich Flüssigstickstoff), ruhen noch mal (eine Frau, die vor uns schläft, seufzt auf eine Weise, der man anmerkt, dass sie sich im Traum ausgespro- chen wohl fühlt. Ich würde ja jetzt gern behaupten, dass ich das war, aber das wäre leider gelogen.), dann reibt sich T. aus Versehen noch statt mit Körperlotion mit Duschgel ein, und dann gehen wir.

    Und sind uns wieder mal einig: sowas machen wir jetzt öfter.

  • Ja, nun. Wo er Recht hat...

    Zwei Jungs gestern morgen in der Straßenbahn:

    "Gehste auch zu Halloween?"

    "Jop."

    "Ich auch. Aber ohne Verkleidung. Ich geh' als Mensch. - Ist doch das Erschreckendste auf der Welt, was es gibt!"

  • Ach..., Journalist sein!

    Als etwas größeres Kind wollte ich mal eine Weile Journalistin werden. Eigentlich schade, dass das nicht geklappt hat, denn als Journalist ist man ja immerzu dran an den aller- spannendsten Sachen und an pulserfrischender Action! Was so ein Artikel wie dieser deutlich vor Augen führt:
    Doenersause
    Ich vermute, in der Redaktion hieß es: "Mach' mir 28 Zeilen voll, aber zackich!" Naja, und dann hat er/sie das eben ge- macht...

    Koalitionverhandlungen! Phhh, mir doch egal... Hauptsache, ich kriege detailliert berichtet, was in Bremer Fitzelfleisch- bratereien so los ist!

    Zunächst fällt das hübsche Wort Rangelei auf. Für Klopperei hat es vermutlich nicht gereicht, da war ja wohl der vollgeschmierte Tresen dazwischen, aber Rangelei kann man ja schon hinschreiben, wenn Einer dem An- deren ziemlich unangenehm den Zeigefinger in die Schulter piekt.

    Außerdem erfährt man, dass es in Bremer Kindergärten offenbar schon länger nicht vermittelt wird, dass man sich nicht mit Sachen beschmeißt. Schon gar nicht mit Essen. Und wenn, dann trifft man doch wenigstens! Aber vielleicht ist da auch bloß mal 'ne Brille fällig. Gut, dass die Polizei schlichten konnte.

    Ich frage mich allerdings, ob die sowieso in der Gegend waren, oder ob wirklich einer angerufen hat: "Kommsema schnell! Das ist dringend! Der Wirt hier bewirft mich mit ge- fährlicher Soße!" Leider erfährt man ja nicht, wieviel Hektopascal Scoville die Soße nun hatte. - Aber: Soßenopfer wird mal eben mein Lieblingswort der Woche.

  • Arganöl, Bügelcondor und keine Schokolade.

    Gestern hatte ich wieder das alljährliche Vergnügen, mit Freundin T. auf der Infa herum- zuspazieren. Da wir diesmal fest entschlossen waren, uns ü-ber-haupt nicht zu stressen, ging es erstmal damit los, dass es nicht losging und wir in Ruhe ein Brötchen in der Brominenküche aßen und erste Neuigkeiten austauschten. Dann ging es aber doch los.

    Schon in der ersten Halle kaufte ich mir einen sehr schönen Schal, der wirklich zu Allem passt. (Außer wahrscheinlich, zu einem anderen Schal.) Freundin T. rieb sich nur kurz darauf freudig am Nebenstand mit Arganöl ein, während der ölige Verkäufer hartnäckig versuchte, mich davon zu überzeugen, dass der hohe Vitamin D-Gehalt des Zeugs eine rapide Verjüngung, die Abschaffung sämtlicher Hautprobleme wie Schrunden, Ausschläge und Pickel und überhaupt ein besseres Leben bewirke.

    Das hatte ich aber alles genau so schon mal über Aloe Vera, Nonisaft und noch davor über "Spirula Irgendwas" gehört und fand, meine Haut solle man ruhig weiter arganölfrei bleiben. Und sowieso wäre es doch merkwürdig, dass die Menschheit noch nicht längst von allem Übel befreit sei, bei soviel geballter Naturpower immerzu. Dazu mochte er nichts sagen, guckte aber genervt.

    Also zogen wir weiter und Freundin T. fragte mich daraufhin alle halbe Stunde, ob sie denn nun schon viel jünger wirke und bat mich, ihr Bescheid zu geben, wenn ihre Stimme wie- der die glockenhelle einer 7-Jährigen sei. Dies versprach ich ihr gern.

    Ich wusste bereits, was nächstes kommen würde, denn wir kamen zum Unicef-Stand, wo T. immer paketweise Weihnachtskarten kauft, die sie lawinenweise verschickt. Zum Glück stand mitten im Gang ein Korbstühlchen, auf dem ich's mir gleich mal gemütlich machte und mir vorstellte, alle diese Leute kämen nur, um mich da sitzen zu sehen.

    Infa_1_Leute

    Ich weiß selber, dass das nicht stimmt. Aber wenn zu Robbie Williams in Berlin 10.000 Leute kommen, dann kann ich mir ja wenigstens mal kurz zum Spaß vormachen, bei mir wären es wenigstens acht. Und gedrängelt wurde bei mir auch viel weniger, das ist mir auch lieber, ehrlich gesagt. Und mit Sachen beworfen hat man mich auch nicht, das ist mir sogar fast noch lieber...

    Infa_2_Hunde

    Am nächsten Stand wurden zwei gelangweilte Hunde auf Stühlen ausgestellt. Wir warte- ten ein bisschen, ob aus dem Mauseloch vielleicht gleich eine Maus rausgeflitzt und dann ein bisschen Leben in die Sache käme, aber dann wollten wir doch lieber weiter.

    Man glaubt ja eigentlich nicht, was auf Messen so alles verkauft wird! Und welche Aus- blicke man so genießt, während man in Camping-Klappsesseln Rückenmassagekissen ausprobiert und verkaufsfördernde Gesichter macht.

    Infa_3_Fuesse

    Nach der Massage war T. erstmal schwindelig (kein Wunder!), aber zum Glück kamen wir bald an einem Stand mit Klangschalen vorbei, an dem ihre Aura von einem netten jungen Mann direkt wieder zurechtvibriert wurde. Und prompt hatte sie wieder Farbe im Gesicht und fand, ich solle doch mal ein Foto vom Muxel'schen Spätzlewunder-Stand machen, weil sich das irgendwie lustig anhört, und ich kann ihr ja kaum was abschlagen.

    Infa_4_Spaetzle

    Worin das Wunder dann bestand, haben wir aber nicht geguckt, weil mich der Condor von nebenan ein bisschen abschreckte. Weder wollte ich von ihm gebügelt werden, noch hatte ich Lust auf eine zünftige Sprühextraktion, zumal ich lieber gar nicht wissen möchte, was damit im Einzelnen gemeint ist.Sicher helfen dann auch keine Klangschalen mehr.

    An der nächsten Ecke wollte es irgendwie auch nicht besser werden. Immerhin weiß ich jetzt aber, woraus nächtliche Schrecken gemacht werden:

    Infa_5_Alptraumholz

    Vermutlich kann man da Material zum Selberschnitzen erwerben, aber wir hatten natürlich keinen Bedarf und wollten auch Niemandem zusehen, der so einen Bedarf hat und viel- leicht gerade das Sortiment prüft.

    Wir wechselten stattdessen mal lieber die Halle und dabei kriegte ich mittenmal so richtig Weihnachtsgefühle:

    Infa_7_Weihnachtsstimmung

    Muss an diesem Stand mit exotischem Räucherwerk gelegen haben... - Wer hier nicht sofort Lust auf Kipferl und Bratapfel kriegt, ist ja wohl ein grober Klotz!

    Und weil wir jetzt so richtig Appetit hatten, schmiss T. eine Runde leckeren Flammkuchen mit Gemüse und fing gleich eine Diskussion mit den beiden ältlichen Damen am Neben- tisch an, wieso es eigentlich nirgends Roiboostee zu trinken gäbe, sondern immer nur ollen schwarzen, Früchte-, Pfefferminz- und Kamillentee. Wo doch heutzutage kaum noch jemand keinen Roibosstee trinke! Außer eben in gastronomischen Einrichtungen. Vermut- lich ist das der Grund, warum ich lieber bei schwarzem Tee bleibe, denn davon findet sich immer noch ein zerknitterter Beutel hinten in der Schublade.

    Eigentlich wollte ich mir hinterher noch tolle Schokoladen kaufen, aber es gab diesmal keine, obwohl das angeblich die Halle mit der schicken Lebensart sein sollte. Wie das ohne Schokolade, aber dafür mit Kunstpelz-Couchdecken und überteuertem Stoffblumen- nippes gehen soll, das wissen sicher Andere. Also suchte ich mir zum Trost ein Püllchen Blutorangen-Aperitiv-Essig aus, den ich demnächst Gästen aufzunötigen gedenke. Falls dann noch was übrig ist. Die Rillettes, die ich mir vor Kurzem hab' schicken lassen, ist nämlich auch schon wieder halb leer gegessen...

    infa08_Freundin_TDann war's auch gut und wir wollten gern nach Hause. Im Rausgehen fiel mir noch auf, dass die Stehlampen-
    mode offenbar zum Größenwahn geht, denn im letzten Jahr sahen die Lampen bekanntlich ja schon so aus:

    Ich fand das ja schon bedenklich, denn wer hat denn schon so riesige Glühbirnen im Haus, vor Allem jetzt, wo es bald nur noch diese winzigen LEDs geben soll!

    weiss
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    Aber das ist nichts gegen die Lampenmode in diesem Jahr! (Freundin T. hat zwar auch auf dem unteren Foto wieder eine weiße Tüte dabei und zufällig ähnliche Sa- chen an, aber ich schwöre, dass ich dieses Foto erst gestern gemacht habe.) Wie soll man denn sowas noch ins Wohnzimmer kriegen?!?
    (Also, die Lampe, meine ich. Die gute T. passt ja ohne Weiteres in jedes Wohnzimmer.)

    Infa_6_Lampe
    Und was das eventuell über den Zusam- menhang von Konsum und Finanzkrise aussagt, das möcht' ich lieber gar nicht wissen.

    Vielleicht lag's ja auch doch am Arganöl, und T. war wieder ganz klein geworden. Ein Grund mehr, die Finger von dem Zeug zu lassen, nachher sind wieder Kinder- gartengebühren fällig! Na, das ist ja zum Glück jetzt eher das Problem von T.s Mann A., soll der sich drum kümmern...

    Ich wurde noch 1A nach Hause gefahren und T. kam auch ohne Weiteres an die nötigen Pedale und sogar die Treppe hoch, um hier noch einen Tee zu trinken. (Roiboos! Aber den hatte sie sich jetzt vorsichthalber mitgebracht.)

    Schön war's wieder. Wie immer.
    Und darum wie immer an dieser Stelle:

    weiss

    Danke, liebe T., für den schönen und lustigen Tag & ganz liebe Grüße!

    - Deine Theo

  • Voll gefedert.

    "Inhalte! Es geht um Inhalte!"

    Das dachte ich, als ich versuchte, meine neue Riesenbettdecke in ihren Bezug reinzu- kriegen. Die alte Bettdecke war ja nun auch schon groß, allerdings inzwischen auch ziemlich flach, vermutlich eben wegen fehlender Inhalte. (Das würde nämlich auch erklä- ren, wieso da seit Jahren immer wieder Federn im Schlafzimmer herumliegen.) Jetzt also ist die Zeit der "Schönen, neuen Bauschigkeit" angebrochen. Die Ära der "Zusatzdecke wegen kalt" läuft aus. Vielleicht finde ich ja auch noch irgendwo ein paar Hippies, die deswegen singend um mein Bett tanzen, soll mir Recht sein.

    Ich hab' gern solche Decken, unter denen ich ich quasi gemütlich begraben liege bis zur nächsten Auferste, - nein, das schreibe ich jetzt nicht. Sagen wir, ich hab's gern mollig. Eine schönes, fluffiges Federbett muss sich für mich anfühlen wie eine schützende Umarmung, vielleicht ist mir das Bett deshalb das liebste Möbel. Der alte Tag hört dort auf und der neue fängt dort an, bei mir mit einer schönen, großen Tasse Tee. Dabei gucke ich aus dem Fenster und denke erst mal nix, das muss ja auch mal sein.

    Kopf mal leermachen, Inhalt ist ja nun ausreichend in der Decke.

  • Brrrrrrr..., brrrrrrr..., brrrrrrrr...!

    Die meisten Kinder sagen als erstes "Mama", manche auch "Dada", was mir jetzt mal so persönlich ganz gut gefällt. Ich kenne allerdings auch Einen, dessen erstes Wort war angeblich "Schnaps"! Und dann gab's noch ein mir bekanntes, sehr höfliches (aber inzwi- schen fast erwachsenes) Kind, das sprach oft das Wort "Kacke", was eine Zeitlang zu einiger Entrüstung im uneingeweihten Umfeld führte, es sollte aber eigentlich "Danke" heißen...

    Viele Babys aber lernen als erstes das Wort "Auto!", und mir schwant neuerdings auch wieso:

    Babyfahrstunde

    Es ist natürlich unbedingt nötig, jeden Menschen so früh wie möglich ans Schalten, Blinken und Lenken heranzuführen, schließlich sind wir eine Nation vom Autofahrern! (Selten bekomme ich mitleidigere Blicke, als wenn ich sage, dass ich kein Auto habe.)

    Mein Vorschlag übrigens, für weitere Produkte: "Babys erste Kippe" und "Babys erster Vollrausch"...

  • Schlank, aber bald rosa.

    Hach Kinners! Herrlich, wie viel Schönes in eine Woche passen kann...

    Jeden Tag hab' ich jetzt irgendwas Besonderes (also, besonders für mich) unternommen und zwischendrin in meiner Butze herumgetan. Mir ist nämlich wieder eingefallen, wie ich's mir richtig nett machen kann und das hab' ich dann auch. So einzwei Tage würd' ich auch noch locker vollkriegen, ich hab nämlich doch nicht alles geschafft, bin aber sehr zufrieden. So zufrieden, dass ich mir gestern Abend direkt noch einen rosa Wollmantel auktioniert habe, von dem ich noch nicht weiß, ob ich damit wirklich je rausgehen werde. Rosa. Glücklicherweise ist er gar nicht teuer (11,50 €) und hat immerhin einen deutlichen Kaschmiranteil. Zur Not trage ich ihn eben nur zuhause, wenn die Heizung mal wieder ausfällt...

    Und die passenden Handschuhe habe ich sogar auch schon dazu. Seit August oder so. Letztes Jahr im Herbst wollte ich unbedingt bunt geringelte Fingerhandschuhe ohne Fingerkuppen haben, aber dafür mit so einem Fäustlingsmützchen zum Drüberklappen. (Die Damen wissen jetzt sicher, was ich meine, die Herren lesen einfach drüber.) Mein letztes Paar hatten mir die Motten aufgegessen und ich war darüber untröstlich und hätte beinahe nächtelang geweint.

    Wo ich auch fragte und guckte: nix. Bis ich im Spätsommer mittenmal direkt davor stand. - Ich meine, wenn's im Sommer Spekulatius und Baumbehang gibt, dann find' ich es nur recht und billig, wenn man auch schon die warmen Handschuhe dazu zu kaufen kriegt. Und inzwischen ist es ja sogar schon kalt genug dafür (bisher für mich der einzige Grund, mich über's Wetter zu freuen) und vielleicht ziehe ich die Handschuhe nachher sogar an, wenn ich mich mit dem netten Rebhuhn am Bahnhof treffe. Sie fährt nämlich nicht nur durch Hannover, sondern hält sogar ein Weilchen an. Dieses Weilchen werden wir mit Kaffee, Tee und Gerede anfüllen. Außerdem hat sie mir Marzipan-Nougat-Rauten ver- sprochen.

    Ich gehe davon aus, dass wir  halbwegs geradeaus sprechen werden, und nicht so, wie ich das ständig im Fernseher zu hören kriege. Was ist denn z.B. bloß eine "Bedrullje"??? Ich höre immerzu, dass Leute da hineingeraten oder -kommen. Angeblich soll das sogar schon ein richtiges Fremdwort sein, was mich irgendwie nicht entzückt. Denn gemeint ist ja wohl eigentlich die "Bredouille". Komischerweise bedeuten beide sogar dasselbe! Wenn ich also lange genug darauf bestehe, dass eine Verdrehung richtig ist, wird sie's irgend- wann? Neenee...

    Niedlich find' ich hingegen, dass eine Bekannte von mir hartnäckig behauptet, sie und ihre kleine Familie seien ihrer Etepetete-Schwester zu "proletanisch", weswegen sie zu Feiern nicht mehr eingeladen würden (was sie im Übrigen als Erleichterung empfindet). Für mich klingt das nach einem bunten außerirdischen Völkchen mit kleinen Antennen am Kopf und Saugnäpfchen an den Fingern, aber gemeint ist sicher was ganz anderes. Interessie- ren würde mich nebenbei, ob die garstige Schwester eventuell selbst auf diesen nagel- neuen Ausdruck gekommen ist, wo sie doch eigentlich inzwischen "was Besseres" ist.

    Was war sonst noch?

    Am Mittwoch saß mir in der Straßenbahn eine ältere Dame gegenüber, und als wir aus dem Tunnel fuhren, sahen wir gleichzeitig, dass es inzwischen zu regnen angefangen hatte. Synchron fingen wir an, in unseren vollen Taschen zu kramen. Unsere Blicke kreuzten sich amüsiert und ich sagte: "Der Regenschirm ist natürlich immer ganz unten, klar!" Und sie meinte, sie hätte "ja kurz Muffe" gehabt, dass sie ihren vielleicht gar nicht eingesteckt hätte, aber dann schwenkte sie ihn mir fröhlich hinterher, denn ich musste auch schon aussteigen.

    Im Baumarkt habe ich dann Donnerstag sehr nett mit der Verkäuferin geplaudert, während die Maschine meinen Lack zusammenrührte. Und anschließend haben wir einstimmig festgestellt, wie man Lackdosen am besten schließt: In dem man sich nämlich vorsichtig auf den Deckel stellt. Alles andere macht da bloß Beulen rein.

    Draußen vor der Tür hatte eine Omi ihr Fahrrad neben meinem angeschlossen und fragte mich, ob ich denn da rauskäme, oder ob sie erst zur Seite gehen solle. Ich sagte, was man da halt immer sagt, und zwar: "Och das passt schon, wir sind ja schlank, nech?"

    Prompt legte sie los: "Ach früher! Aber jetzt?!? Diese Fettverteilung! Oben 38, unten 42. Man findet ja nichts mehr! Die Anzüge! Oben 38, unten 42..."

    "Sehnse, bei mir isses fast genau andersrum!"

    "Die verkaufen einem ja nicht zwei Teile! Da passt ja nix!"

    "Naja, aber wir kommen schon zurecht, was?"

    "Man kriegt ja nix! Es nützt ja nix! Auf Wiedersehen!"

    Genau. Nützt ja nix. Sehe ich auch so.
    Und überhaupt, in diesem Sinne: Proletanier aller Planeten, vereinigt Euch mal!

  • Männer und Frauen.

    Das ist mal 'ne Überschrift! Die zieht, da kann einfach jeder was mit anfangen.
    Eigentlich könnt' ich hier auch schon wieder aufhören, wenn es mir nur um die Aufmerk- samkeit ginge. Sogar als Buchtitel würde das fast reichen, um's zu verkaufen. Wenn jetzt noch "Sex" dazukäme, dann müsste auch gar nix mehr drinstehen, in dem Buch. Das ginge trotzdem weg wie geschnitten Brot.

    Meine Kollegin z.B. behauptet gern: "Männer und Frauen passen nicht zusammen!" Aber das ist natürlich so 'ne typische Kokettbehauptung von Leuten, die diese Bücher lesen, die wohl irgendwas mit Parken auf dem Mars zu tun haben. Oder wie man mit besonders klugen Ratschlägen sein Leben simplifiziert. Oder auch dieses Glücksbuch von diesem Arzt, der mir so auf die Nerven geht, dass ich immer ganz glücklich bin, wenn er mal nicht zu sehen ist.

    GeschirrhandtuecherJedenfalls find' ich schon, dass Männer und Frauen eigentlich ganz gut zusammen passen, nur vielleicht manchmal nicht zur selben Zeit oder im selben Raum. Ansons- ten muss man sich ziemlich Mühe geben, wenn man nicht die ganze Zeit aneinander vorbei agieren oder bekloppt werden will.

    Bei der Arbeit z.B. gehe ich manchmal lieber kurz raus, weil der Kollege mitten in einer summenden und brummenden Küche steht, die voll durchbeschriftet ist. Auf allen Türen und Schubladen kleben Schildchen, auf denen steht: "Gabel, Messer, Löffel", "Große Teller" oder "Geschirrhandtücher" (die sind nur für den Fall, dass unser Ge- schirr mal Hände bekommen sollte). Und dann fragt der Kollege: "Hamwamaln Löffel?" und macht eine Schranktür in Augenhöhe auf. Da kann man ja nur entweder vor Freude in die Hände klatschen oder rausgehen! Und, wie gesagt, ich geh' lieber raus, sonst ist beim In-die-Hände-klatschen da irgendwie der Kollege mit zwischen.

    Man muss Verständnis haben, alles liegt nur daran, dass wir in verschiedenen Welten leben, die aber gleichzeitig stattfinden, und irritierenderweise ist es möglich, sich zu berühren oder sich mal was rüberzureichen, obwohl das ja eigentlich gar nicht gehen kann. Männer halten sich eben nicht gern mit Haushaltsdingen auf, die befassen sich lieber mit Politik und allem, was die Welt zusammenhält (Frauen). Manchmal gewinne ich den Eindruck, sie hätten teilweise Schwierigkeiten, sogar ihre eigenen Füße zu finden, und hoffe dann, das trifft nicht auch ausgerechnet auf die Exemplare zu, die die Weltge- schicke leiten! Männer wissen oft auch ganz selbstverständlich, was Herr Putin zu Herrn Obama sagt (und vor allem, was er wirklich damit meint!), aber die eigene Liebste ver- stehen sie nicht, weil Frauen ja so irre kompliziert sind.

    Bestimmt wäre die Welt noch viel toller, wenn Männer sich nicht auch noch mit Löffel- suche aufhalten müssten. Dann könnten sie noch mehr die großen, weit entfernten Dinge bereden und dabei verhungern. Ich glaube ja heimlich, dass Politik eigentlich auch nicht viel anders ist als Weibertratsch, nur eben global und nicht so interessant. Aber es ist bestimmt schon besser so, dass noch immer überwiegend Männer den Job machen. Ich könnte das mit den ständigen Feindbildern und Drohgebärden auf Dauer ja gar nicht. Ich wäre viel auch zu mitfühlend, um ganze Konzerne wegzurationalisieren oder die dritte Welt mit Wohlstandsmüll vollzukübeln.

    Eine Welt, in der Frauen das Geschehen lenken würden, stelle ich mir hingegen schreck- lich langweilig und harmonisch vor. Jeder säße am liebsten zufrieden zuhause und würd' sich's nett machen, Nachbarn laden sich gegenseitig ab und an mal ein, oder bringen sich Nudelsalat und Gebäck rüber. Und wenn einer wochenlang weg wäre, wüsste man, der ist entweder im Urlaub oder da stimmt was nicht. Also, wenn sich jeder in einem bestimmten Radius um seine unmittelbare Umgebung kümmern würde, wären zwar alle versorgt, aber das wäre viel zu einfach und macht natürlich auch nix her. Dann müsste man ja auch die- se ganzen schönen Territorialsachen abschaffen, weil die dann völlig überflüssig werden.

    Aber ich geb's langsam auf, das ganze Theater noch mit Vernunft begreifen zu wollen. Offenbar ist gerade das Immer-unübersichtlicher-werden das Interessante am politischen und wirtschaftlichen Weltgeschehen. Und dazu braucht's immerzu Wachstum, weil es nie gut genug ist, wie es ist, und darum muss immer Einer den Anderen fressen, bis nur ein einziges, fettes und ziemlich einsames Monster übrig ist.

    Manchmal stelle ich mir vergnügt vor, dass Frauen eines Tages mal nach dem Frühstück beschließen, die Macht des Internets nutzen, um sich weltweit zu verbünden und der alten Geschichte von Lysistrata mal Leben einzuhauchen. (Frauen sprechen nämlich untereinander durchaus ebenfalls über Politik und so, aber sie hören klugerweise lieber damit auf, sobald ein Mann den Raum betritt. Weil die nämlich meistens gleich zeigen müssen, wie Bescheid sie wissen. Also reden wir einfach über Kindererziehung, bis er wieder weg ist.) In Kenia schien es bereits Ansätze dazu zu geben, wie ich eben mit Wohlwollen festgestellt hab.

    Sicher fiele das ganz schön schwer, aber wenn sich alle dran hielten, so für's große Ganze... - wer weiß, wer weiß! (Und vor allem die anschließende Freudenfeier könnte doch interessant werden.) Und bis dahin könnte man ja vielleicht auf Schokokuchen ausweichen...

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